Badminton im MTV Diessen

von Dr. Helgi-Jon Schweizer

Ziemlich genau vor dreißig Jahren trafen sich vierzehn junge Diessener und Diessenerinnen zur Gründung einer Sparte Badminton im Diessener Männer-Turnverein. Dies ist umso bemerkenswerter, als es im Badminton keine Mannschaft im wörtlichen Sinne gibt, sondern ähnlich etwa wie beim Tournier-Tanz, nur gemischte "Teams". Mit der Mischung freilich gab es keine Probleme, eher schon mit der einzigen verfügbaren Turnhalle. Diese war nämlich zu eng und zu niedrig und hatte keine Badminton Markierungen. Der Spartenbeitrag floss somit die folgenden Jahre in Unmengen weißen Klebebandes, das vor jeder Trainings-Stunde aufgeklebt und anschließend wieder säuberlich entfernt werden mußte. In dieser Klebe-Disziplin erntete der MTV bei allen Gästen unverhohlene Bewunderung. Die sportliche Karriere war weniger beeindruckend, was nicht zuletzt an den äußeren Bedingungen lag. Das Schwergewicht verlagerte sich so zusehends auf die Pflege des Vereinslebens im weitesten Sinne. Dies war auch umso nahe liegender, als bei nur zwei Spielfeldern meist die Hälfte der Badmintonfreunde sich wartend am Spielfeldrand die Zeit vertreiben musste.

Bereits in dieses Urzeiten waren die hiesigen Badminton-Gründerväter bemüht nachkommende Generationen für den Badminton-Sport zu gewinnen, so dass derzeit schon die Enkel der Pioniere beim Badminton anzutreffen sind. Viele allerdings der früheren Zöglinge setzten ihre sportliche Karriere andernorts fort, dort nämlich wo man dank vorschriftsmäßiger Hallen am regulären Tournierbetrieb teilnehmen konnte. Der MTV wurde so nolens volens zu einer Nachwuchsschmiede für den regionalen Sportbetrieb.

Mit der neuen, der Mehrzweck-Halle wurde dann vieles anders, leider nicht alles. Die Spielbedingungen waren mit einem Schlag nicht mehr die schlechtesten, sondern vielmehr die besten weit und breit, und die Trainingszeiten geradezu ideal. Der sportliche Kampfgeist allerdings war irgendwann in der alten Halle eingeschlafen und alle Weckversuche schlugen zunächst fehl. Man trieb eben Breitensport und sang ein Loblied auf die Fitness. Sieg und Niederlage sollten andere unter sich ausmachen.

Diese Entspannungsphase kam zu einem jähen Ende als einige kampferprobte Badminton-Routiniers in die Gegend zogen und die wunderbaren Diessener Spielbedingungen ausmachten. Die folgenden Jahre schlug man sich mit Starnberg, Murnau, Penzberg usw. herum, mal mehr mal weniger glücklich. Am Schluß weniger glücklich. Die Alten wurden älter und die Jungen waren noch zu jung. Aus einer vorübergehenden Spielpause wurde letzten Endes ein andauernder Zustand. Das Gewicht verlagerte sich wieder auf die Fitness-Seite und auf das Jugend-Badminton.

Als Fitness-Sport wird Badminton zunehmend von den einschlägigen Centern entdeckt. Der Platzbedarf ist relativ gering im Vergleich zu Tennis, es bedarf keiner besonderen Baumassnahmen wie beim Squash und die Auslastung ist sehr hoch, dank des hohen Spieltempos. Dies aber ist auch eine Chance der Sportvereine zur Nutzung der örtlichen Hallen für den (lukrativen) Fitnesssport. Das Fell des Bären ist noch nicht verteilt. Im Verein organisieren ehrenamtliche Funktionäre den Tournierbetrieb, trainieren den Nachwuchs und werben für ihren Sport. Wenn es aber um zahlende Kundschaft geht, haben die gewerblichen Zentren nicht nur die Nase vorn. Im Badminton wird dieses Dilemma deutlicher als in anderen Sportarten – weil Badminton eben da wie dort betrieben wird. Die Frage gewinnt zunehmend an Aktualität, wie sich die Sportvereine hier verhalten sollen. Sollen sie in das Fitness-Geschäft einsteigen oder sollen sie sportlichen Idealismus hochhalten? Der Geist finanzieller Unbeschwertheit, der bislang im Diessener Badminton herrschte, hat ausgedient. Die kommende Saison wird wieder ein Spartenbeitrag erhoben und die Abteilung kann sich trotzdem nur ein Hallendrittel leisten. Die sportliche Zukunft ist schwer abzuschätzen, sie wird erstmalig in der Geschichte der Sparte von der Anzahl zahlender Mitglieder abhängig sein, und somit sind wir im Geschäft! Es folgt die Werbung:

Badminton verhält sich zu Federball wie Ringen zu Ringelreihen, Das Sportgerät ist im Prinzip das Gleiche, der Ablauf grundlegend verschieden. Gilt es beim Federball kooperativ sozusagen den Ball möglichst lange in der Luft zu halten, so ist es das Ziel des Badminton-Spieles denselben möglichst schnell auf den Boden im gegnerischen Feld zu schlagen, was der Gegner abwehrend zu verhindern versucht, um seinerseits den Boden beim Gegner zu treffen. Als Rückschlag-Sport mit aerodynamisch entschärftem Ball eignet sich Badminton nur für geschlossene Räume, bzw. nur für windstille Orte. Es wird also vornehmlich in Hallen gespielt, in Turnhallen oder zunehmend auch in besondern Badminton-Hallen. Als besonderer Vorzug gilt, dass der Spieler weder durch Wände noch durch andere Spieler in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist – und sich dennoch der Platzbedarf in Grenzen hält. Verletzungen sind außerordentlich selten, trotz der hohen Geschwindigkeit des Spieles.

Badminton wird zunehmend als Breitensport und Fitnesssport interessant. Dafür gibt es mehrere Gründe. An erster Stelle steht wohl das hohe, konditionsfordernde und –fördernde Tempo des Spieles. An zweiter Stelle der geringe organisatorische Aufwand: es genügt ja ein Partner mit dem man sich verabreden muss. An dritter Stelle spielt es eine wichtige Rolle, dass jeder ohne irgendwelche körperlichen Voraussetzungen oder besondere Vorkenntnisse Badminton spielen kann, Kinder ebenso wie Greise. Badminton erfordert keine besondere Ausrüstung. Turnschuhe und ein preiswerter Schläger genügen für den Anfang. Das Risiko sich zu verletzen schließlich ist minimal.

Zum hundertsten Geburtstag des MTV-Diessen war die Sparte Badminton gerade 5 Jahre jung, aber schon gut drauf, wie das untenstehende Bild vom Festumzug beweist. Es gibt auch augenfällig den gelockerten Sportsgeist wieder, der noch heute in der Sparte sein Wesen treibt.

Die Sparte Badminton gratuliert dem MTV Diessen zum 125jährigen, und sich selbst zum dreißigjährigen Bestehen.